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Für das Rennen in Seon war die Taktik klar, bedächtig starten, nicht mitziehen und im Verlauf des Rennens versuchen das Tempo zu steigern. Der erste Teil der Vorgabe klingt einfach, ist für mich als Rennfahrerin aber nur schwer umsetzbar, da ich Gegnerinnen normalerweise nur ziehen lasse, wenn meine Beine einen schnelleren Dienst verweigern und sich farbige Sternchen vor meinen Augen abzeichnen. Ich reihte mich nach dem Start als Dritte ein, liess dann aber die Lücke aufreissen und mich von weiteren Fahrerinnen überholen. Die erste Schlüsselstelle, eine Wiesenabfahrt mit anschliessender links Kurve (aufgrund der anhaltenden Sintflut zu einer braunen Schlammrutsche mit Freizeitparkniveau umgewandelt), ging ich mit viel Vertrauen an, zumindest solange, bis sich eine der Fahrerinnen vor mir hinlegte und ich mangels Alternativen die Passage ebenfalls souverän und grazil rückwärts auf dem Hosenboden bewältigte. Meine Konzentration galt dabei dem Mitschleifen meines Bikes, damit ich nicht noch weiteres Spektakel in Form von „such dein Rad“ liefern würde. Für den Moment war dies neben den gefühlten 2 Kilo Dreck in meinem Mund und den Augen die einzige Aufregung. Die ersten drei Runden absolvierte ich wie in Trance, ich bin ziemlich sicher, dass ich diese Runden gefahren bin, weiss aber nicht mehr viel davon. Das einzige was mir davon blieb waren die Zuschauenden, welche in besagter Schlüsselpassage auffällig zahlreich erschienen waren und uns bereits beim Einstieg mit einem breiten Grinsen empfingen, im Wissen darüber, dass jede_r Fahrer_in die nächste nicht ganz freiwillige, dennoch sehr ästhetische Showeinlage bieten könnte. Auf die Konkurrentinnen verlor ich weiter an Boden, bis ich in Runde vier vorn sieben doch noch meinen Rennrhythmus fand und nicht mehr nur dahingondelte, sondern der Sache etwas mehr Dynamik und Geschwindigkeit verleihen konnte. Das zeigte sich einerseits in meiner Freude wieder im Renngeschehen dabei zu sein, andererseits in dem sich verringernden Abstand zu zwei der vor mir fahrenden Rennfahrerinnen. Nach sieben kraftzehrenden Runden kam ich zufrieden mit meiner Leistung im Ziel an. Am Resultat und meiner Form muss noch einiges an Arbeit investiert werden, ich bin da kämpferisch-optimistisch gestimmt. Nächstes Wochenende erhalte ich die nächste Trainingsmöglichkeit am hochklassigen Rennen in Gränichen.

Reset…!

Am 17. April fuhr ich in Buchs mein bisher letztes Rennen. Entgegen der vorherigen Wettkämpfe konnte ich mich dort steigern und in der allgemeinen Schlammschlacht bei gemütlichem Dauerregen einen Rang im Mittelfeld erkämpfen. Aufwand und Ertrag hielten sich somit die Waage (was bereits zu diesem Zeitpunkt deutlich gegen meinen Aufwand spricht und ziemlich tragisch erscheint), nach dem Rennen war ich aber schweren Herzens gezwungen für eine Weile abzutauchen. Studium, Praktikum und Arbeit nahmen ein Ausmass an, welches keinerlei vernünftige Trainingsstrukturen zuliess und einen Energieverbrauch im Umfang einer Grossfamilie mit sich brachte.

Gut einen Monat später sind Praktikum und Studium beinahe beendet und mein Training konnte ich letzten Donnerstag beschwingt wieder aufnehmen. Wo ich genau nach dem schwachen Aufbau und der erzwungenen Pause stehe, kann ich nicht abschätzen. Dieser Fakt ist für mich auch nicht von allzu grosser Bedeutung, da ich einerseits nächsten Sonntag in Seon die Möglichkeit zur Standortbestimmung erhalte und andererseits mein Training unbeirrt hochfahren werde. Der Weg nach vorne kann wieder beginnen…

Mittendrin statt nur dabei

Meine Bikesaison 2016 zählt bereits zwei Rennen, einerseits das Rennen des Swiss Bike Cup in Rivera, andererseits das Bundesliga-Rennen in Bad Säckingen. Die Gemeinsamkeiten liegen bei der anspruchsvollen und abwechslungsreichen Streckenführung sowie der internationalen Top-Besetzung der Fahrerinnenfelder…und der Anwesenheit meiner Person. Aufgrund meiner Ausbildung bewegt sich seit Oktober mein Trainingsumfang pro Woche im Rahmen einer hoffnungsvollen Hobbysportlerin, meine Schlaf- und Regenerationszeiten schaffen es in den unteren Bereich des Soll-Wertes, wenn sie sich einen Hocker zum draufstehen nehmen . Ungeachtet dieser Voraussetzungen ging ich mit ungebrochener Euphorie und Erwartungshaltung an den Start. Das Ergebnis war in Rivera ernüchternd, in Bad Säckingen gar niederschmetternd. Während ich letzte Woche zumindest ein gutes Körpergefühl hatte (die bergauf vorbeirasenden Fahrerinnen blendete ich einfach aus) und technisch sehr gut unterwegs war, klappte gestern nicht mehr viel. Vor dem ersten Singletrail nach dem Startschuss kam es zu kriegsähnlichen Zuständen, da jede Fahrerin so schnell wie möglich weiter kommen wollte und sich daher alternative Wege quer durchs Unterholz zu suchen begann. Nach meinem Hürdenlauf über Brombeersträucher und Steinblöcke (mittendrin statt nur dabei) hielt ich mich im Pulk der Fahrerinnen auf und versuchte Ränge gut zu machen. Technisch schlichen sich bei mir mehrere Fehler ein und bereits in der zweiten Runde schmerzte so ziemlich mein ganzer Körper, was jedoch durch die Anfeuerungsrufe der Zuschauenden und die Attraktivität der Strecke entschädigt wurde. In der Rennhälfte passierte ich eine Athletin, welche aus Schmerz oder Enttäuschung am Streckenrand in Tränen aufgelöst auf dem Rücken lag. Ich überlegte kurz ob ich mich dazu gesellen sollte, meine Stimmung hätte sicher mithalten können, entschied mich dann doch für ein unbeirrtes abspulen meiner Rennkilometer. Wie in Rivera wurde ich auch gestern aufgrund der 80ig-Prozent-Regelung sehr früh aus dem Rennen genommen und begab mich geknickt zum Teamwagen. Als ich mit dem Ausfahren auf der Rolle beschäftigt war meinte mein Teamchef aufmunternd „Heute hast du wahrscheinlich mehr Kilometer auf der Rolle als im Rennen gemacht“…merci Roger, direkt wie eh und je. Mir ist bis jetzt noch kein gewiefter Konter eingefallen, aber der kommt noch sobald ich jemanden gefunden habe, der mir das Messer aus dem Rücken zieht. Mit diesen aufbauenden Worten kann es nächste Woche in Buchs nur gut kommen!

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Saisonauftakt auf der Strasse

Bevor nächste Woche die Bikesaison auch für mich startet, absolvierte ich gestern als Testlauf das Kriterium in Affoltern am Albis auf der Strasse. 50 Runden standen auf dem Programm und da zählen während dem Rennen bekanntlich nicht meine Stärke ist, gab es glücklicherweise jede Runde eine Sprintwertung (einziges Verhängnis der Anzeigetafel mit der Rundenanzahl: ich dachte die absolvierten Runden werden angezeigt und war ziemlich froh, als ich die Zahl 35 aufleuchten sah und überzeugt war, wir hätten nur noch 15 Runden zu fahren…bis ich gemerkt habe dass die Anzeige rückläufig funktionierte und ich noch lockerflockige 35 Runden vor mir hatte; kann passieren nach dieser enormen Anzahl geleisteter Runden). 50 Runden klingt erst nach Langeweile, für Unterhaltung war aber von Beginn weg gesorgt. Einerseits durch die querlaufenden Bahnschwellen auf der Strecke und die Durchquerung des Kieswerks, andererseits durch die Hektik im Feld, was zu vielen Beinahekollisionen, gefolgt von kreativen Ausrufen jeglicher  Art führte, einem kleineren Massensturz, bei welchem drei Fahrerinnen zu Boden gingen und der Herausforderung einen Bidon mit der linken Hand bei Tempo 40 zu erwischen (Versuch 1 schlug fehl, der Bidon flog quer durch die Landschaft und ich bekam einige nette Worte einer Gegnerin mit auf den Weg, Versuch 2 war erfolgreich). Auch zeigten die Sprints und Tempoverschärfungen ab Runde 30 Wirkung und ich bekam es mit wohligen Krämpfen zu tun, welche sich von den Waden aus in die gesamte Beinmuskulatur ausweiteten. Offenbar waren diese Schmerzsalven nötig, denn obwohl ich in mehreren Sprints mit dabei war und mich vielfach im vorderen Teil des Feldes aufhielt, reichte es meist um einen oder zwei Ränge nicht, um in die Punkte zu fahren. Mit der Hilfe der Krämpfe schaffte ich noch zwei zweite Ränge und beendete das Rennen auf dem neunten Rang. In der kantonalem Meisterschaft reichte es sogar auf den zweiten Rang.

Die Endgeschwindigkeit lässt noch etwas zu Wünschen übrig, die Basis ist aber gut und lässt auf eine Steigerung hoffen. Wie es auf dem Bike klappen wird weiss ich selbst nicht und bin daher gespannt auf nächste Woche.

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Mit Rückenstärkung in die neue Saison!

Die Renndaten für die Saison 2016 sind notiert, die Ziele gesetzt und die Unterstützung gewachsen. Zu meiner grossen Freude werde ich neu zusätzlich mit dem Logo der MRI Ingenieure AG an den Start gehen und versuchen meine Bestleistung abzuliefern. Vielen Dank Wolfgang für dein Vertrauen und für deine grosse Unterstützung. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und bin gespannt, was diese Saison alles bringen wird.

Neben MRI kann ich weiterhin auch auf meine bisherigen Unterstützer in Person und Firma von Alain Diebold und der Diebold.Zgraggen Gartenbau AG sowie Stefan Knecht und der Frohsinn Treuhandgesellschaft zählen. Ein herzliches Dankeschön an euch alle, meine Pläne wären nicht durchführbar ohne eure Hilfe.

Um das Ganze noch zu optimieren, starte ich eine weitere Saison in den Farben des Schmid Hardware MTB Team und freue mich, weiterhin als grüner Blitz (oder Pilz) durch die Gegend zu fliegen!

Wenn es jetzt noch aufhört uns auf dem Rad zu verhageln im spanischen Malaga mache ich Luftsprünge…

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Update

Aufbausaison. Nichts zu berichten und keine Nachrichten die von Interesse wären, dachte ich zumindest. Nach mehrmaligem Winken mit dem Zaunpfahl von mehreren Seiten (und dem gezielten Körpertreffer durch meinen Teamchef) habe ich mich trotzdem für einen Zwischenbericht aus der unspektakulären Zwischenzeit entschieden. Seit dem Swiss Epic verlief das Training und der Aufbau grösstenteils nicht nach meinem Geschmack, meine Ausbildung und Arbeit nahmen mich die letzten Monate stark in Anspruch und haben vieles verhindert. Immer wieder verunsichert, wie ich alle Aufträge fristgerecht abliefern soll und gleichzeitig meine Ziele für nächste Saison trotzdem verfolgen kann, muss mein Trainer und mein treues Umfeld kräftig mentale Aufbauarbeit leisten: „Nein du hast nicht das Fahrtempo einer sibirischen Waldschnecke“ (bitte Baba), „Hei du bist schon an einem ganz anderen Punkt gestanden und fuhrst trotzdem noch in der gleichen Saison auf das Podest“, „Doch, die PH kann man durchstehen“ und last but not least „Nur ruhig bleiben, du machst das gut“. All diese Aufmunterungen versuche ich zu verinnerlichen und unbeirrt meine Ziele zu verfolgen, während die Konkurrenz Trainingslager an Trainingslager in der Wärme absolviert. Ich habe einen Plan, weiss wie ich da hinkomme und mache so gut weiter, wie es mir möglich ist und Ende Saison wird abgerechnet. Farner Ende…vorerst.

1 Jahr – 1000 Eindrücke

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Am 26. Oktober 2014 wurde mein Leben kurzfristig etwas auf den Kopf gestellt. An Aufgeben habe ich zu keinem Zeitpunkt gedacht, auch dann nicht, als ich am ersten Rennen auf den hintersten Rängen rumhing. Unzählige Trainingsstunden später und dank der Unterstützung meines Umfeldes, meines Teams Schmid Hardware MTB Team und meiner Sponsoren Diebold. Zgraggen Gartenbau & Frohsinn Treuhand konnte ich mir den Saisonabschluss vergolden lassen. Eine Saison mit zwei Gesichtern, in welcher ich mich als Sportlerin weiterentwickeln konnte. Vielen Dank an alle, die immer an mich geglaubt und mich während der ganzen Saison begleitet und unterstützt haben.

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Swiss Epic 2015

Prolog in Verbier: Erstmals hatte ich einen Vorstart-Puls der nicht bei 150 in stehendem Zustand lag. Wir sind gut gestartet, bergauf nicht ganz so schnell, bergab dafür umso schneller. 2km vor dem Ziel hörte ich hinter mir ein unschönes Zischen gefolgt von einer Fluchsalve Stefanos. Mit 0.0 bar Luftdruck im Vorderrad kämpfte er sich zu Fuss ins Ziel während ich als mobile Dekoration an seiner Seite fuhr. Momentan liegen wir auf dem 18. Zwischenrang, abgerechnet wird aber erst in Zermatt. Es ist definitiv noch Luft nach oben und wir werden ab morgen angreifen.

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1. Etappe von Verbier nach Leukerbad (95km, 3100hm): Heute lief alles wie am Schnürchen, bis Kilometer 89 zumindest. Wir fuhren in den Anstiegen unseren Rhythmus, konnten jeweils unsere Position halten und liessen in den technisch anspruchsvollen und absolut genialen Trails zahlreiche Fahrerinnen und Fahrer hinter uns. 2x schrammte ich an einem Hungerrästchen vorbei, welches dank Gel abgewendet werden konnte. Bei Kilometer 89 war mein Benzin definitiv alle und ich brach kurzfristig ziemlich ein. Riegel und Gel von Stefano halfen etwas und mit 6h 59 schafften wir es ins Ziel. Das entspricht dem 13. Kategorienrang und wenn alles so bleibt können wir die morgige Etappe aus Block 1 unter die Räder nehmen.

2. Etappe rund um Leukerbad (63km, 3000hm): Als ein Treffen zwischen Pest und Cholera würde ich den heutigen Tag beschreiben. Der erste Aufstieg inklusive folgender Traversierpassage erhielt eine gewisse Spannung da der Wind mit gefühlter Orkanstufe 12 von der Seite kam (wenn man sich dann auf einem 50cm schmalen Trail befindet wird das ganze noch spannend). Wir fuhren daher in einer Gruppe waren sehr gut unterwegs und konnten in der Abfahrt vorne wegfahren (auch dann noch als ich mir selbst ein Stück Kuhfladen an die Wange schleuderte, meine Konzentration kurzfristig auf 0 war und ich mich beherrschen musste nicht eine Vollbremsung hinzulegen um das unangenehme Mitbringsel schnellstmöglichst zu entfernen). Ab Rennhälfte kämpfte Steff mit Magenproblemen und 20 Kilometer vor dem Ziel wurde unser Höhenflug dank einem Fahrfehler meinerseits abrupt beendet. Ich war etwas zu schnell unterwegs, erwischte einen Stein und schlitzte mir den Pneu auf. Die erste Luftpatrone konnte den Schaden nicht beheben. Als nächstes konnten wir den Verschlussring bei bestem Willen nicht lösen, ich schickte Stefano daher schon mal vor und musste warten bis mir ein freundlicher Fahrer weiter helfen konnte. Nach der Schlauchmontage setzte ich die zweite und letzte Patrone an, praktischerweise versagte gleichzeitig der Aufsatz und ich stand ohne Patrone und Pumpe da. Zwei südafrikanische Mitstreiter waren so freundlich mir weiter zu helfen. Pumpen nützte ebenfalls nichts, der Schlauch war irgendwie beim Patronenmalheur beschädigt worden. 2 Patronen, 2 Schläuche, 5kg Nerven und etliche Minuten später machte ich mich auf die Verfolgung Stefanos. Nach 6h03 erreichten wir das Ziel mit einem Rangverlust.
Was mir bleibt ist die Gewissheit, dass ich momentan in sehr guter Form bin und die Bilanz von 3 Mechanikerbesuchen in 3 Tagen. Ab morgen wieder vollgas, bis Zermatt ist noch einiges möglich.

3. Etappe von Leukerbad nach Grächen (89km, 3100hm): Heute war etwas langweilig, kein Platten, kein Hungerast (habe kurz überlegt ob ich noch „lüfteln“ soll vor dem Ziel). Konditionell war das Ganze begrenzt lustig, da einerseits 1500 Höhenmeter am Stück zu absolvieren waren und andererseits schwierige Windverhältnisse herrschten. Dafür wurde man mitTrails entschädigt, die so einiges in den Schatten stellten, das war die pure Freude. Unser Tempo war nicht weltmeisterlich aber wir fuhren einen beständigen Rhythmus, gingen sparsam mit unserer Energie um und verbesserten uns im Gesamtklassement wieder um einen Rang.

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4. Etappe rund um Grächen (88km, 3300hm): Wir fuhren wiederum mit der gleichen Taktik wie gestern, zu Beginn Tempo rausnehmen und danach langsam steigern. Wie gestern ging es auch heute perfekt auf. Wir sind eine starke Etappe gefahren und haben uns im Vergleich zu gestern nochmals gesteigert.

5. Etappe von Grächen auf Zermatt (60km, 2400hm): Meine Beine kurbelten zu meiner Freude heute als wäre ich gerade erst in die Rennwoche eingestiegen. Wir gingen von Beginn weg ein hohes Tempo an und konnten so ohne Probleme unseren ersten Top 10 Platz nach Zermatt fahren. Im Gesamtklassement machten wir durch die gute Zeit ebenfalls Ränge gut und beenden das Swiss Epic mit einer Gesamtzeit von 33 Stunden und 54 Minuten auf dem 10. Schlussrang. 7 Rennen in Folge…war hart und genial. Ich mach dann mal Pause.

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Premiere in Giebenach

Seit ungefähr 12 Jahren bestreite ich Mountainbikerennen und noch nie hat es auf das oberste Treppchen gereicht und in diesem Jahr habe ich auch nicht damit gerechnet nach meiner verpatzten Saisonvorbereitung. Ich stand vergangenen Sonntag aber überraschenderweise mit der Nummer 1 auf der Startlinie, da ich dank konstant guten Platzierungen die Gesamtführende im Cup war und diese Führung wollte ich mir sichern. Meine Taktik war klar, am Hinterrad von Janina Wüst bleiben, da sie mir mit einem Sieg noch den Rang hätte streitig machen können. Nach einem Blitzstart kam es in der ersten von fünf Runden zu einem Zusammenschluss mit Janina, Michelle Andres und mir. Obwohl wir als Gruppe gut funktionierten, schaffte Katja Montani im Rennverlauf den Anschluss und versuchte in der Steigung sogar wegzukommen. Aufgrund des hohen Tempos verlor die stark fahrende Juniorin Michelle Andres den Anschluss und wir waren wiederum zu dritt unterwegs. Als erste suchte Janina die Entscheidung, indem sie früh in der letzten Runde angriff, allerdings ohne Erfolg. Auf der langen Ebene vor der Schlussabfahrt kam es erneut zu einer Tempoverschärfung Janinas, welcher Katja und ich folgten und aus dem Windschatten heraus auf Position 1 und 2 in die Abfahrt einstiegen. Diesen Moment hatte ich abgewartet, mit der möglichen Premiere vor Augen setzte ich alles auf eine Karte und zog in der Abfahrt auf der Innenlinie an Katja vorbei und brachte den Minimalvorsprung ins Ziel. Mit meinem ersten Tages- und gleichzeitig dem Gesamtsieg in der Tasche machte ich mich auf den Weg nach Verbier ans Swiss Epic.

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Lockerflockige Trainingsfahrt…oder so

Samstagmorgen 07:15 Uhr, als die Welt noch in Ordnung war, ging es in Scuol los auf die 137 Kilometer um den Nationalpark. Ich ging das Rennen bewusst langsam an, da ich 1. Respekt vor der Strecke hatte und 2. mein Fokus auf dem Chaschauna lag. Folge des langsamen Starts war ein circa 2-stündiges beständiges Rauschen durch die vorbeiziehenden Fahrerinnen und Fahrer (was mich natürlich absolut kalt liess und keineswegs an meinem Selbstvertrauen nagte). Ab den ersten Metern machten mir bereits meine Beine zu schaffen, da ich am Tag zuvor das erste Mal der Meinung war, dass meine französischen Luxusmüskelchen keine Massage oder Dehnung nötig hätten. Ungeachtet des Rauschens und der suboptimalen Muskeln blieb ich meinem Tempo treu und spulte die Kilometer ab. Nach ungefähr 70 Kilometern kam ich in Livigno an, fühlte mich ziemlich gut und nahm den vielfach verfluchten Chaschauna Pass in Angriff. Die Athletinnen und Athleten um mich herum stiegen von Beginn her vom Bike ab und schoben ihr Gefährt auf die Passhöhe in 2694 m.ü.M aufgrund des sehr sehr sehr sehr sehr steilen und schwierigen Weges. Da ich schieben verabscheue entschied ich mich für die Variante hochmurksen. Dadurch war es mir möglich viele der Fahrer_innen, die mich zu Beginn stehen gelassen hatten, wieder zu überholen. Das Überholen setzte ich auf der folgenden Abfahrt fort und kam immer noch ziemlich munter nach ungefähr 100 Kilometern in Zernez an. Ab da begannen die Qualen so richtig und langsam aber sicher verging mir der Spass an der ganzen Sache. Noch immer waren 1000 Höhenmeter und 37 Kilometer in einem ständigen Auf und Ab bis ins Ziel in Scuol zu bestreiten und die machten mir physisch und psychisch mehr zu schaffen als die ganzen Berge zuvor (vielen Dank an dieser Stelle an den oder die sadistisch veranlagte Streckenplaner_in). Nach ungefähr 2 weiteren Stunden des Fluchens kam ich tatsächlich in Scuol an, mit einer Endzeit von 8 Stunden 40 Minuten und auf dem 20. Schlussrang. Erledigt und unzufrieden mit meiner Leistung stieg ich vom Rad und schwor mir nie wieder am Nationalpark Bike Marathon auf der Startlinie zu stehen. Ein Tag später und immer noch mit beträchtlichen Schmerzen im ganzen Körper (ausser meinem kleinen Finger, den spür ich seit gestern nicht mehr) habe ich beschlossen diese 8 Stunden 40 auf keinen Fall auf mir sitzen zu lassen. Ich will Revanche!

Kleine Anekdoten die ein Marathon schreibt:

Abfahrt nach dem Alpisella Pass hinter einem nicht mehr ganz blutjungen Biker. Nach der Durchquerung einer der zahlreichen und erfrischenden Wasserlöchern auf der Strecke rief er aus „Sind doch alles ***! Könnten wenigstens eine Brücke bauen!“. Jawohl, wo sind die Nationalpark-Brückenbauermännchen wenn man sie braucht, verfluchter Outdoor-Sport!

Anstieg zum Chaschauna, alle an der Grenze der körperlichen Leistungsfähigkeit, ich nur fokussiert eine Umdrehung an die nächste zu hängen und Meter für Meter weiter zu fahren . Neben mir nimmt ein hoch marschierender Fahrer frisch fröhlich sein Handy ab, was auch sonst, und beginnt ein Gespräch. Am anderen Ende schien eine sich im Zielraum aufhaltende Person zu fragen wo er sich denn befände. Seine Antwort: „A dem hüere Pass!“. Das war der einzige Moment im ganzen Anstieg an dem ich beinahe in den Graben gefahren wäre vor verhaltenem Lachen. 2 Kurven weiter oben hörte ich den lockeren Walliser immer noch am Telefon plappern.

5 Kilometer vor dem Ziel begann ich alle Energie die ich noch hatte raus zu hauen. Dies fasste ein ebenfalls nicht mehr blutjunger Biker als Einladung auf sich an mein Hinterrad zu klemmen. Dies fasste ich meinerseits als Herausforderung auf ihn in der Schlussabfahrt noch abzuhängen (2 Kurven waren ziemlich an der Grenze gefahren…also mehr Glück als Verstand dass ich nicht im Graben landete, absolut bewusst natürlich). Meine persönliche Klette blieb an mir dran und so liess ich es die letzten Meter vor der Ziellinie ausrollen, froh meine Strapazen beenden zu können. Nicht so meine Klette, schliesslich ist er ein „Siebesiech“. Bedeutet so viel wie er setze nach 137 Kilometer zum Sprint an (schliesslich bin ich nicht mal in seiner Kategorie) und gab es mir so richtig indem er einen halben Meter vor mir wie ein junges Reh die Ziellinie überhüpfte. Ich gratuliere zum geschätzten 768.4. Schlussrang, das war es wert!

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