Der proteinlose Körper oder errare humanum est

Milch enthält Hormone, Eier sind übermässige Proteinbomben, Geflügel ersetzt die Antibiotikakur, Fisch sind schwimmende Schwermetalltanks und für die Produktion von Fleisch braucht man Ressourcen von unzähligen Welten. Nach zahlreichen Studien und Berichten, die genau dies aufzeigten, entschied ich mich den Weltuntergang im Alleingang zu verhindern und auf all diese Produkte beinahe gänzlich zu verzichten. Mein Körper fand dies nicht ganz so tutti frutti und sendete mir einige Warnsignale, welche ich aber in meiner Überzeugung etwas Gutes zu tun für die Umwelt und für mich, mit beeindruckender Hartnäckigkeit ignorierte. Mein Trainer merkte bereits früh, dass etwas nicht stimmte, denn laut absolviertem Training im physischen und psychischen Bereich hätte ich diese Saison richtig losziehen sollen. Da ihm die Info über mein Proteinboykott fehlte, war sogar er das erste Mal seit ich ihn kenne ratlos und schickte mich in eine ärztliche Abklärung. Ein kompletter Check aller sportrelevanten Parameter brachte wichtige Erkenntnisse. Die erste Erkenntnis: ich absolviere offenbar gerne Umwege und lasse wirklich keinen einzigen aus. Die zweite Erkenntnis: ich schaff es sogar langjährige Sportmediziner zu überraschen und zwar mit der dritten Erkenntnis: es ist tatsächlich möglich zu wenig Cholesterin zu haben. Das über längere Zeit hin fehlende Eiweiss hat zu einem kompletten Shutdown der Muskulatur geführt. BRAVO. Die Folgen lassen sich erahnen. Ständige Schmerzen der Muskulatur, Erschöpfung und eine Leistungsgrenze bei einem Puls von süssen 170 Schlägen in der Minute um nur einige Zückerchen des Spasses zu nennen. Mein Trainer hat für meinen aktuellen Zustand eine Metapher verwendet, welche ich wohl nie mehr vergessen werde (ein klassischer Schütz): „Dein Körper ist zu vergleichen wie 10 Gebäude nebeneinander mit vielen Labors auf jedem einzelnen Stock. Deine Umstellung der Ernährung hat dazu geführt, dass man ein Gebäude angezündet und bei den anderen jeden zweiten Stock rausgesprengt hat“.

Nachdem mein Ärger über mich selbst etwas verflogen war, haben wir einen neuen Master-Schlachtplan erstellt. Meinem Organismus werden wieder Proteine persönlich vorgestellt, das Training noch etwas sachte angegangen bis alle Speicher wieder voll sind und mein Körper aus der Schockstarre gefunden hat. Danach hau ich richtig auf den Putz und tu das, was ich am liebsten mache, es auf 2 Rädern richtig krachen lassen.

Merci!

Der Aufbau und die Vorbereitungen für die nächste Saison sind bereits in vollem Gange. Ich möchte mich von Herzen bei Roger und Madeleine (Schmid Hardware MTB Team), Wolfgang von Au und Renato Galletti (MRI), Alain Diebold (Diebold.Zgraggen Gartenbau), Marco Wieser (Bike Zone Baden) und Stefanie Stücheli (reaktion.ch) für die Unterstützung während des gesamten Jahres. Ohne euch wäre es nicht möglich gewesen diese Lehrzeit zu überstehen. Von Herzen Danke!

Evaluation neuer Trainingsmethode

Gestern habe ich erstmalig eine neue Trainingsmethode angewandt. Anstatt mit veloRadschuhen habe ich leichte Turnschuhe mit super flexibler Sohle und 0,0% Halt verwendet um meine Pässefahrt zu starten. Durch dieses Schuhwerk arbeitet man viel intensiver an der Druckphase der Tretbewegung, trainiert dadurch hauptsächlich die vordere Oberschenkelmuskulatur und setzt sich bewusst mit dem durch die Sohle drückenden Klickpedal auseinander, welches ein viel effizienteres Einschlafen der Füsse
zur Folge hat.

Ok totaler Blödsinn. Ich habe das erste Mal in meiner Karriere meine Schuhe zu Hause vergessen und fuhr mit vorhandener Ausstattung den Klausenpass hoch. Dass ich nur diese Strecke in Turnschuhen zurücklegen musste, verdanke ich meiner ewigen Retterin und lebenslangen Unterstützerin. Damit kommen wir zum eigentlich wichtigen Punkt. Obwohl bereits 26 Jahre alt und seit 13 Jahren in diesem Geschäft dabei, sorgen sich meine Eltern nach wie vor wenn es um Passüberquerungen dreht. Aus diesem Grund setzte sich meine Mutter mit mir zusammen um halb sechs in der Früh ins Auto. Einerseits um ihren freien Tag etwas in den Bergen zu verbringen, andererseits um sicherzugehen, dass das Töchterchen keinen Schaden nimmt. Denn die Gefahren in den Schweizer Bergen sind offenbar zahlreich: 400m tiefe Abgründe, plötzlich platzende Reifen, Urner Bergbach Piranhas, durch den Radcomputer angezogene, niederstürzende Satelliten, Passstrassen-Grizzlys und morgensternschwingende Motorradfahrer (Anmerkung der Redaktion: es könnten leichte Übertreibungen seitens der Verfasserin vorkommen). Da der verwirrte Nachwuchs in Altdorf das Fehlen des Schuhwerks bemerkte, setzte sich meine Mutter für weitere zwei Stunden hinter das Steuer und brachte diese auf die Passhöhe, um die Weiterfahrt zu ermöglichen und allfällige Gefahren aus dem Weg zu räumen. Ohne die unermüdliche Unterstützung meiner Eltern wäre mir weder der Einstieg noch die jahrelange Betätigung in diesem Sport möglich gewesen. Danke steht ihr mir immer zur Seite, Danke glaubt ihr immer noch an mich und Danke für jede noch so kleine Geste der Rückenstärkung!

Reset…!

Am 17. April fuhr ich in Buchs mein bisher letztes Rennen. Entgegen der vorherigen Wettkämpfe konnte ich mich dort steigern und in der allgemeinen Schlammschlacht bei gemütlichem Dauerregen einen Rang im Mittelfeld erkämpfen. Aufwand und Ertrag hielten sich somit die Waage (was bereits zu diesem Zeitpunkt deutlich gegen meinen Aufwand spricht und ziemlich tragisch erscheint), nach dem Rennen war ich aber schweren Herzens gezwungen für eine Weile abzutauchen. Studium, Praktikum und Arbeit nahmen ein Ausmass an, welches keinerlei vernünftige Trainingsstrukturen zuliess und einen Energieverbrauch im Umfang einer Grossfamilie mit sich brachte.

Gut einen Monat später sind Praktikum und Studium beinahe beendet und mein Training konnte ich letzten Donnerstag beschwingt wieder aufnehmen. Wo ich genau nach dem schwachen Aufbau und der erzwungenen Pause stehe, kann ich nicht abschätzen. Dieser Fakt ist für mich auch nicht von allzu grosser Bedeutung, da ich einerseits nächsten Sonntag in Seon die Möglichkeit zur Standortbestimmung erhalte und andererseits mein Training unbeirrt hochfahren werde. Der Weg nach vorne kann wieder beginnen…

Mit Rückenstärkung in die neue Saison!

Die Renndaten für die Saison 2016 sind notiert, die Ziele gesetzt und die Unterstützung gewachsen. Zu meiner grossen Freude werde ich neu zusätzlich mit dem Logo der MRI Ingenieure AG an den Start gehen und versuchen meine Bestleistung abzuliefern. Vielen Dank Wolfgang für dein Vertrauen und für deine grosse Unterstützung. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und bin gespannt, was diese Saison alles bringen wird.

Neben MRI kann ich weiterhin auch auf meine bisherigen Unterstützer in Person und Firma von Alain Diebold und der Diebold.Zgraggen Gartenbau AG sowie Stefan Knecht und der Frohsinn Treuhandgesellschaft zählen. Ein herzliches Dankeschön an euch alle, meine Pläne wären nicht durchführbar ohne eure Hilfe.

Um das Ganze noch zu optimieren, starte ich eine weitere Saison in den Farben des Schmid Hardware MTB Team und freue mich, weiterhin als grüner Blitz (oder Pilz) durch die Gegend zu fliegen!

Wenn es jetzt noch aufhört uns auf dem Rad zu verhageln im spanischen Malaga mache ich Luftsprünge…

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Update

Aufbausaison. Nichts zu berichten und keine Nachrichten die von Interesse wären, dachte ich zumindest. Nach mehrmaligem Winken mit dem Zaunpfahl von mehreren Seiten (und dem gezielten Körpertreffer durch meinen Teamchef) habe ich mich trotzdem für einen Zwischenbericht aus der unspektakulären Zwischenzeit entschieden. Seit dem Swiss Epic verlief das Training und der Aufbau grösstenteils nicht nach meinem Geschmack, meine Ausbildung und Arbeit nahmen mich die letzten Monate stark in Anspruch und haben vieles verhindert. Immer wieder verunsichert, wie ich alle Aufträge fristgerecht abliefern soll und gleichzeitig meine Ziele für nächste Saison trotzdem verfolgen kann, muss mein Trainer und mein treues Umfeld kräftig mentale Aufbauarbeit leisten: „Nein du hast nicht das Fahrtempo einer sibirischen Waldschnecke“ (bitte Baba), „Hei du bist schon an einem ganz anderen Punkt gestanden und fuhrst trotzdem noch in der gleichen Saison auf das Podest“, „Doch, die PH kann man durchstehen“ und last but not least „Nur ruhig bleiben, du machst das gut“. All diese Aufmunterungen versuche ich zu verinnerlichen und unbeirrt meine Ziele zu verfolgen, während die Konkurrenz Trainingslager an Trainingslager in der Wärme absolviert. Ich habe einen Plan, weiss wie ich da hinkomme und mache so gut weiter, wie es mir möglich ist und Ende Saison wird abgerechnet. Farner Ende…vorerst.

1 Jahr – 1000 Eindrücke

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Am 26. Oktober 2014 wurde mein Leben kurzfristig etwas auf den Kopf gestellt. An Aufgeben habe ich zu keinem Zeitpunkt gedacht, auch dann nicht, als ich am ersten Rennen auf den hintersten Rängen rumhing. Unzählige Trainingsstunden später und dank der Unterstützung meines Umfeldes, meines Teams Schmid Hardware MTB Team und meiner Sponsoren Diebold. Zgraggen Gartenbau & Frohsinn Treuhand konnte ich mir den Saisonabschluss vergolden lassen. Eine Saison mit zwei Gesichtern, in welcher ich mich als Sportlerin weiterentwickeln konnte. Vielen Dank an alle, die immer an mich geglaubt und mich während der ganzen Saison begleitet und unterstützt haben.

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Swiss Epic 2.0

Am 14. September ist es soweit, dann starten Stefano und ich zum zweiten Mal am Swiss Epic, diesmal unter dem Namen „Never Give Up“. Wir sammeln wiederum kräftig Spendengelder um eine möglichst grosse Summe an Save the Children übergeben zu können. Ziel ist nicht nur eine sportliche Höchstleistung zu vollbringen in diesen 6 Tagen, sondern gleichzeitig hilfsbedürftige Kinder zu unterstützen. Über weitere Spenden würden wir uns freuen, mehr dazu unter stefanogugliotta.ch.

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Leben 2.0

Helm

Bis zu diesem Tag wusste ich zwar, dass einen Helm zu tragen klüger und absolut notwendig ist für den Mountainbikesport, wie notwendig war mir allerdings bis dahin nicht bewusst.

Am letzten Sonntag im August war ich mit Freunden auf dem Downhill am Gurten in Bern unterwegs. Bereits in der 2. Abfahrt machte ich einen Abflug über den Lenker und bremste ausschliesslich mit meinem Gesicht. Warum es zum Sturz kam kann ich mir bis heute nicht erklären, was ich noch weiss ist, dass ich mich in meinem Leben definitiv schon besser gefühlt habe. Das erste was ich mitbekam war, dass jemand auf französisch mit mir sprach und mich aus dem Weg räumte, damit ich nicht als lebendes Hindernis auf der Strecke liegen blieb. Französisch ist schon in Höchstform nicht gerade meine Stärke, in diesem Zustand hätte er auch japanisch mit mir sprechen können, meine Antworten wären ziemlich dieselben geblieben. In der Folge hielt ein weiterer Fahrer bei mir und die beiden beruhigten mich, hinderten mich am aufstehen, stabilisierten meinen ziemlich zerbeulten Kopf und riefen den Krankenwagen. In Kürze traf dieser ein, ich erhielt von den freundlichen Sanitätern eine Infusion (während ich Fragen beantwortete wie: „Kann ich Ihnen den Ehering abnehmen?“ und „Sind das Ihre Söhne?“…das belustigte mich sogar in meinem eher desolaten Zustand), wurde auf eine Bahre gehievt und ins Spital verfrachtet.

Nachdem mich ca 5 Ärztinnen begutachtet hatten (mein Körper wurde in Spezialgebiete aufgeteilt, in welchem jeder Arzt sein Gebiet untersuchte und beurteilte), ich das schlimmste CT meines Lebens hinter mich gebracht hatte und mit einer Halskrause ausgestattet wurde durfe ich das Spital wieder verlassen. Diagnose: Gebrochener 2.Halswirbel, Schürfungen im Gesicht, geprellte und geschürfte Schulter, gequetschter und geschürfter Hals und ein geschwollenes, geschürftes Ohr. Die Aussage des einen Arztes „Da haben Sie grosses Glück gehabt, ein wenig mehr und es hätte anders ausgesehen“ beruhigte mich nicht wirklich. Mein Trainer animierte mich in der Folge zur Denkweise „Ein wenig mehr und es wäre nichts passiert“, welche mich definitiv weiter bringt. Jetzt nehme ich es noch etwas ruhig, bevor ich mich hoffentlich bald wieder auf den Sattel schwingen kann.

Mein Dank gilt an dieser Stelle den ersten beiden namenlosen Helfern, Roger und Gian, den beiden Rettungssanitätern, Täme, meiner Familie, Stephan und meiner Privatspitex und grossen Stütze Corina.