Von „sone Mist!“ bis „wie bini uf die Idee cho?!“

In den letzten 2 Wochen fanden 2 Wettkämpfe statt. Sonntag vor einer Woche stand ich in Gränichen (AG) am Start für das Cross Country Rennen, überzeugt davon, dass ich an diesem Tag endlich richtig loslegen würde. Ich hatte schliesslich während 4 Wochen richtig gut trainiert, riesige Fortschritte gemacht und fühlte mich jeder Herausforderung gewachsen. Zudem hatte mein Körper nun 2 Monate Zeit gehabt, sich von dem proteinlos-Schöckchen zu erholen, das musste reichen. Schliesslich bin ich eine „Siebesiechin“. Ich stellte mich wie gewohnt in den hintersten Reihen an die Startlinie und hätte ab diesem Moment bereits wieder umkehren können. Was ab da passierte, war das Muster, welches ich seit 1.5 Jahren leider zu gut kannte und sich in meine Hirnwindungen eingebrannt hatte. Startschuss, Sprint in den langen Starthang und ich konnte mich damit beschäftigen, von allen Fahrerinnen die Rückenansicht der Trikots auswendig zu lernen. In der ersten Abfahrt hatte ich noch etwas ausgiebiger Zeit für das Trikotstudium, da in den hinteren Plätzen zwecks Auskostung jedes Trailmeters mit gefühlten 5 Stundenkilometer bergab geholpert wurde und ein Überholen schlicht unmöglich war. Bergauf find ich Langsamfahren mehr als völlig ok, bergab grenzt dies an ein Verbrechen, besonders wenn die Strecke grundsätzlich einen grossen Spassfaktor hergab. Ich nutzte die wenigen breiten Passagen um mich in der ersten Runde nach vorne zu arbeiten, kam aber nicht weit, da mein Motor leider nicht in dem Masse lief, in welchem ich mir das vorstellte. Da ich ansonsten nicht viel zu tun hatte, bekam ich nach 20 Minuten Hunger und überlegte mir, was für mich kulinarisch heute noch anstehen würde. Wütend auf mich, gefrustet und nicht mehr ganz so hungrig, stieg ich nach knapp 2 Runden aus dem Rennen aus und hinterfragte ziemlich alles was mir über den Weg lief. Die Pommes halfen leider ebenfalls keinen Meter weiter. Was tun?

Kurzfristige Lösung à la Céline: das Le Raid Evolénard (VS) oder in anderen Worten ausgedrückt: wie schaff ich es in wenigen Stunden, dass mir sogar die Haare schmerzen. Der Bikemarathon in Evolène war eine nette Runde von 62 Kilometern und 3000 Höhenmeter in den Walliser Bergen. Sonntagmorgen pünktlich um 9 Uhr wurden die lizenzierten Marathonfahrerinnen gemeinsam mit mir als Feriengast auf die Strecke geschickt. Motiviert pedalierte ich in den ersten Berg, planlos was Streckenführung und Tempo betraf. Ich klemmte mich an das Hinterrad der Belgischen Meisterin, da mir das Trikot gefiel (ich bin hier ja spezialisiert), musste aber nach der Hälfte dieses ersten Anstieges einsehen, dass ihr Tempo etwas optimistisch war für mich. Nach dem ersten „Bergpreis“ warf ich die grossen Gänge ein, senkte mein Sattel auf das Minimum, beugte mich voller Vorfreude auf die Abfahrt in Angriffsstellung tief über den Lenker…und begann den Trail hinunter zu laufen. Die fröhlichen Velowanderer vor mir verhinderten ein Fahren und so reihte ich mich fluchend brav in die Wanderschlange ein. Sobald der Weg etwas breiter wurde, powerte ich los und machte mich an das Überholen der wandelnden Bremsklötze. Erfahrene Marathonfahrerinnen bemerken hier bereits den ersten Fehler. Motiviert wie ich war, verschoss ich meine Körner gleich im Dutzend. Das sollte sich später noch rächen. Die 2 der 4 langen Anstiege brachte ich ebenfalls gut hinter mich, wenn man von meiner kleinen Flickaktion absah, welche ich einlegen musste, da mein Rad beschlossen hatte auseinander zu fallen. Solche Details brachten mich nicht aus dem Gleichgewicht, auch wenn alle zuvor mühsam überholten Teilnehmenden wieder an mir vorbeizogen. Mit wieder angezogenen Schrauben und deutlich weniger schwammigem Fahrgefühl flog ich die zweite Abfahrt hinunter ins Zielgelände um die zweite Etappe in Angriff zu nehmen. Die Hälfte war geschafft und ich eigentlich mehr als bedient mit dem absolvierten Programm. Glücklicherweise wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was gleich auf mich zukommen würde für die nächsten 2 Stunden. Es wurde steil! Und nicht das „puh, jetzt muss ich runter schalten“-steil sondern das „verdammt, wer pflanzt hier noch einen Weg hin und warum habe ich nicht mehr Gänge“-steil. An Fluchen war nicht mehr zu denken, dafür fehlte mir schlicht der Sauerstoff. Es nahm kein Ende. Ich passierte immer mehr Fahrer, welche vor lauter Krämpfe oder aus purer Erschöpfung am Rand standen oder nur noch zu Fuss unterwegs waren. Ich konnte ihnen nachfühlen, kämpfte mich aber in konstantem Tempo immer weiter hoch. Die letzte Abfahrt von 2`500 M.ü.M. hinunter ins Ziel machte nochmals richtig Spass, konnte aber nur noch halbherzig genossen werden, da neben den Beinen auch der Rücken, die Arme, die Hände und ziemlich sicher auch die Augen schmerzten. Nach 5 Stunden überquerte ich komplett ausgepowert, dreckig und zufrieden mit mir und der Welt die Ziellinie in Les Haudères. Marathon und ich sind nach wie vor keine Freunde, aber meine Zukunft ist offen. Wer weiss in welcher Disziplin ich lande.

Für`s erste gebe ich meinem Körper vielleicht doch etwas mehr Zeit für die Genesung von meinem kulinarischen Ausflug, werde in 2 Wochen einen weiteren Marathon in Angriff nehmen und weiter an meinen physischen und mentalen Fähigkeiten arbeiten.

 

Panierte Lungen und taktisches Hintersinnen

Zeit für eine Zwischenbilanz an den Bike Days in Solothurn, vier Wochen nach der Wiedereinführung von proteinhaltiger Nahrung für meinen Körper. Zur Feier des Tages führte ich auch gleich das Einfahren wieder ein und gab alles in der Rennvorbereitung. Perfekt eingestimmt stand ich im hinteren Teil des stark besetzten Feldes ein, bereit um im allgemeinen Pulk die erste Rampe aus dem Schanzengraben hochzuwandern. Das Tolle an einem Start auf staubigem Untergrund ist, dass man sich nach 5 Metern im Blindmodus fortbewegt und man nicht extra 5 Kilometer fahren muss, um sich die Lunge zuzupflastern, in diesem Fall reichen 50 Meter. Nachdem dieser Punkt also rasch abgehakt war, ging es besagte Rasenrampe hoch, in welcher der grosse Teil des Feldes nach halber Strecke auf Fussmarsch wechselte. Meiner kurzen Sichtung des Feldes zu Folge war ich nicht die einzige, welche am besagten Hügel nicht gerade die ästhetischste Glanzleistung ablieferten. Nebst den Fahrerinnen war wahrscheinlich auch das Publikum froh, als wir uns wieder auf die vertrauten Räder schwangen und elfengleich von dannen schwebten. Die erste Runde war wie üblich ein Positionenkampf begleitet von nervösen Blicken, abruptem, nicht umfeldfreundlichem Bremsverhalten und Ellbogenausfahren in alle Richtungen. Nach dem ersten Gehetze kehrte in der zweiten Runde Ruhe ein und ich fand mich in einer Dreiergruppe wieder. Mein Vorschlag, die langen Asphalt-Rollpassagen gemeinsam zu bestreiten, wurde sogleich durch einen Antritt meiner beiden Mitstreiterinnen in den vorherrschenden Wind geschlagen. Soviel zu dieser Taktik. Es kam nach der Abfahrt dennoch kurzzeitig zu einem Zusammenschluss, bevor sich definitiv jede von uns alleine ihrem persönlichen Rennrhythmus widmete.

In Runde 3 ging es mir langsam an die Substanz. Der freundliche Zuruf eines Zuschauers mit Bierbauch „fast geschafft, der Besenwagen kommt noch nicht“ motivierte mich natürlich ungemein. Wer will das schon nicht hören im Schweisse seines Angesichts, bis zu diesem Zeitpunkt noch beeindruckt von der eigenen Muskelleistung. Unbeirrt fuhr ich mehr oder weniger erhobenen Hauptes, achillesgleich, welcher auf seinem Schlachtross gen Troja zog, weiter meine Runden. Nach über 30 Rennkilometer in den Beinen warf ich mich zum letzten Mal unter den stets tatkräftigen Zurufen meiner angereisten Freunde in den staubigen Hexenkessel des Solothurner Schanzengrabens und überquerte zufrieden die Ziellinie.

Nach diesem Spass an der brütenden Sonne stehen 3 Wochen Aufbauarbeit an, bevor es mit dem Rennen in Gränichen weitergeht. Jetzt darf ich endlich wieder aus der Wohlfühlzone und mir die Zähne an dutzenden Intervallen ausbeissen. Bis dahin, happy trails.

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Selbstfesselung der etwas anderen Art und Westschweizer Leichtigkeit

Nach einer Trainingswoche im Zeichen der langen Ausfahrten hängte ich zum Abschluss das Trainingsrennen Roc du Littoral in Hauterive (NE) an. In Begleitung von Carmen Bucher packten wir am Sonntagmorgen unsere Bikes neben 200 anderen Rädern in den Zug und fuhren gemütlich gen Romandie. Ohne Ortskenntnisse machten wir uns auf die Suche nach dem Centre Sportif und wurden fündig. Etwas komisch fanden wir, dass ausschliesslich Fussballer auf dem Rasen ein Match austrugen unter den Augen der lokalen Zuschauer. Nachdem wir nicht einmal ein Einrad ausmachen konnten, waren wir doch ziemlich sicher 45 Minuten vor dem Start am falschen Ort zu stehen. Nach kurzer Recherche fanden wir ein weiteres Sportzentrum, von denen kann es ja nie genug geben. Lediglich 2 Kilometer entfernt, abgelegen mitten in den Weinreben. Wir versuchten erneut unser Glück. 30 Minuten vor dem Startschuss fanden wir tatsächlich eine beträchtliche Horde Menschen auf 2 Rädern und fühlten uns gleich wieder heimischer.

Das Einfahren liessen wir gleich sein. Die Sportzentrumssuche und die ersten 3 Rennkilometer mussten hierfür hinhalten, die Toilettenpause und der soziale Austausch waren gerade wichtiger. Während Carmen auf der Startlinie zur Musik aus dem Lautsprecher aus vollem Hals „You’re the one I want“ aus dem Musical Grease mit passender Tanzeinlage im Raddress vollführte, kam in mir nicht gerade der Killermodus auf. Der Start war wie gewohnt schnell und hektisch, geprägt vom Positionenkampf mit dem Messer zwischen den Zähnen. Ich liess mich etwas zurück fallen da mein Körper nach wie vor noch nicht so begeistert ist von den hohen Pulsbereichen. Carmen passierte mich mit einem „nervöse Sache hier“ und ich verlor die Spitzengruppe aus den Augen. Einsam strampelte ich die Kilometer auf dieser wunderbaren 24 Kilometer langen Trailrunde des Neuenburger Juras ab, immer gespannt, was nach der nächsten Kurve für eine Überraschung wartete. In einer der unzähligen Rampen krampfte ich mich demütig über den Lenker gebeugt hoch, den Blick nur kurz hebend um zu sehen, wo es danach weiter ging. 3 Leute standen am obersten Punkt und feuerten mich an als ich energisch rechts abbog. Das Stoppen des Klatschens war der erste Hinweis, dass etwas nicht stimmte. Die verwirrten Blicke der Zuschauer der zweite – das hell leuchtende weiss-rote Absperrband, welches sich um mein Gesicht wickelte schliesslich die Auflösung ihres abrupt endenden Szeneapplauses. Vielleicht war es doch eher eine Linkskurve. Völlig Herrin der Situation entwickelte ich mich aus dieser kaum noch auffälliger anzubringenden Wegweisung und war dankbar, dass mich einer der netten Spektakelsuchenden anschob, da ich vor lauter Lachen kaum mehr in die Pedale kam.

Nach dieser brenzligen Situation stand den weiteren Rennkilometern nichts mehr im Weg. Nach knapp 80 Minuten konnte ich im Ziel meinen Achten Rang an der Sonne gemeinsam mit Carmen und einer riesigen Portion Risotto geniessen. Mit einem guten Gefühl und um wertvolle Eindrücke reicher, traten wir unsere Heimfahrt per Zug, mit einem Glacé in den Händen, an. Für das nächste Rennen kommenden Samstag in Solothurn bin ich bereit…dann wieder mit Einfahren und geografischer Sicherheit.

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Mental Tuning, Höllenjacuzzi und Nebenschauplätze

Seit nunmehr 2 Wochen wird mein nicht mehr ganz so stählerner Körper wieder mit Proteinen versorgt und nähert sich konstant wieder dem SOLL-Wert. Ein lange nicht mehr da gewesenes Lebensgefühl wenn man morgens nicht mehr den Eindruck hat, ein 20-Tonnen-Laster wäre über mich gefahren sondern hätte gleich auf mir geparkt. Dank dem mentalen Tuning im Vorfeld ging ich ziemlich entspannt und ohne Druck oder Erwartungen und nur der Freude wegen am Sonntag in Schaan (Lichtenstein) mit 23 weiteren Athletinnen an den Start des zweiten Proffix Rennens. Mit dabei wie so oft die Topfavoritinnen Alessandra Keller, Jolanda Neff, Sina Frei und Linda Indergand, welche gleich in dieser Reihenfolge das Rennen prägten und abschlossen. Wie bereits im Vorfeld absehbar, fuhren diese vier in einer anderen Liga und zeigten den Anwesenden auf, wie richtig schnelles Biken aussieht.

Bereits auf der Startlinie, an brütender Frühlingssonne, welche wir aufgrund von Programmverzögerungen noch etwas länger geniessen durften, fühlte ich mich wie im persönlichen Vorhöllenjacuzzi und wartete gespannt auf das Startsignal. Nach dem Knall stiegen alle in die Pedale und sprinteten los als würde es am Ende des Hügels gratis Wasserglacés und Helmventilatoren geben. Diese Möglichkeit wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und gab mein Bestes in diesem ersten Anstieg mitzuziehen. Zu meiner Überraschung konnte ich mich tatsächlich im hinteren Teil des Feldes halten und in meinem eigenen Rhythmus die Höhenmeter bewältigen. Nach der ersten schnellen und verwinkelten Abfahrt hatte mein Organismus die Wärme satt und zeigte mir dies auch in regelmässigen Abständen zur Auflockerung der Stimmung an. So wurde mir nie langweilig und ich hatte meinen Spass auf den für mich 5 zu absolvierenden Runden. Nach zwei Runden hatte ich für meine Bedürfnisse absolut genug Spass genossen aber was ist schon ein Rennen ohne Rücken- und Beinschmerzen begleitet von leichten Flüchen. Zudem sass in einer Kurve des Hauptanstieges ein frisch verliebtes Teeniepaar welches auch bei dieser Hitze die Finger nicht voneinander lassen konnte (das ist noch wahre Liebe) und dem Dauerkuscheln verfallen war. Ich wollte wissen wie die Geschichte weitergeht und ob sie tatsächlich die ganzen 90 Minuten weiter so zusammenwachsen würden. Dies war neben der unterhaltsamen Strecke ein Grund sich jedes Mal wieder den Hügel hoch zu kämpfen (und ja, nach 90 Minuten hatte sich der Status nicht wesentlich geändert und ich wette, die zwei Turteltauben haben auch das Männer-Rennen so durchgezogen). Und wenn es nicht zu regnen begonnen hat oder ihre Eltern sie eingesammelt haben, so sitzen sie noch heute dort.

Mein Rennfazit in dieser Wiederaufbau-Periode: ich war langsam. Aber stets positiv eingestellt, war technisch gut unterwegs, hatte ziemlich Spass und freue mich auf die weitere Entwicklung in den nächsten Rennen… Wer weiss schon wo mich diese Reise noch hinführt.

Der proteinlose Körper oder errare humanum est

Milch enthält Hormone, Eier sind übermässige Proteinbomben, Geflügel ersetzt die Antibiotikakur, Fisch sind schwimmende Schwermetalltanks und für die Produktion von Fleisch braucht man Ressourcen von unzähligen Welten. Nach zahlreichen Studien und Berichten, die genau dies aufzeigten, entschied ich mich den Weltuntergang im Alleingang zu verhindern und auf all diese Produkte beinahe gänzlich zu verzichten. Mein Körper fand dies nicht ganz so tutti frutti und sendete mir einige Warnsignale, welche ich aber in meiner Überzeugung etwas Gutes zu tun für die Umwelt und für mich, mit beeindruckender Hartnäckigkeit ignorierte. Mein Trainer merkte bereits früh, dass etwas nicht stimmte, denn laut absolviertem Training im physischen und psychischen Bereich hätte ich diese Saison richtig losziehen sollen. Da ihm die Info über mein Proteinboykott fehlte, war sogar er das erste Mal seit ich ihn kenne ratlos und schickte mich in eine ärztliche Abklärung. Ein kompletter Check aller sportrelevanten Parameter brachte wichtige Erkenntnisse. Die erste Erkenntnis: ich absolviere offenbar gerne Umwege und lasse wirklich keinen einzigen aus. Die zweite Erkenntnis: ich schaff es sogar langjährige Sportmediziner zu überraschen und zwar mit der dritten Erkenntnis: es ist tatsächlich möglich zu wenig Cholesterin zu haben. Das über längere Zeit hin fehlende Eiweiss hat zu einem kompletten Shutdown der Muskulatur geführt. BRAVO. Die Folgen lassen sich erahnen. Ständige Schmerzen der Muskulatur, Erschöpfung und eine Leistungsgrenze bei einem Puls von süssen 170 Schlägen in der Minute um nur einige Zückerchen des Spasses zu nennen. Mein Trainer hat für meinen aktuellen Zustand eine Metapher verwendet, welche ich wohl nie mehr vergessen werde (ein klassischer Schütz): „Dein Körper ist zu vergleichen wie 10 Gebäude nebeneinander mit vielen Labors auf jedem einzelnen Stock. Deine Umstellung der Ernährung hat dazu geführt, dass man ein Gebäude angezündet und bei den anderen jeden zweiten Stock rausgesprengt hat“.

Nachdem mein Ärger über mich selbst etwas verflogen war, haben wir einen neuen Master-Schlachtplan erstellt. Meinem Organismus werden wieder Proteine persönlich vorgestellt, das Training noch etwas sachte angegangen bis alle Speicher wieder voll sind und mein Körper aus der Schockstarre gefunden hat. Danach hau ich richtig auf den Putz und tu das, was ich am liebsten mache, es auf 2 Rädern richtig krachen lassen.

Trainingsrennen auf französisch und Eröffnung der Bikesaison

Bei zehennägelabfrierenden 0 Grad Celsius fand am 18. März das erste Trainingsrennen für mich in Marin-Epagnier (NE) auf der Strasse über 80 Kilometer statt. Während ich mich in mehrere Schichten Winterkleidung hüllte, versprühten einige unerschrockene, junge Wilde aus dem Wallis in kurzen Hosen und absolut nichtisolierenden Sommerhandschuhen französisches Südküstenfeeling. Ich versteckte mich in einer Gruppe und spulte meine Trainingskilometer unspektakulär ab um erstmals etwas Rennluft zu schnuppern und meinen Muskeln nach wochenlanger Abwesenheit wieder Freund Laktat vor Augen zu führen.

Vergangenen Sonntag folgte dann das erste Bikerennen im solothurnischen Lostorf unter anderem mit Weltcupbesetzung im Fahrerinnenfeld. Während die Profis in der ersten Reihe gerade aus Südafrika zurückgekehrt waren, lockerte ich das von braungebrannter Haut dominierte Fahrerinnenfeld durch meine wieder aufgetauten, weissen Stahlwaden auf. Im ersten langen Anstieg nach dem Start wurde bereits ordentlich aufs Tempo gedrückt. Als Folge davon wurde das Feld auseinandergerissen und mir blieb der Kampf mit zwei anderen Fahrerinnen um den Anschluss. Nach mehreren Positionswechseln innerhalb unserer Dreiergruppe und einem semantischen Aussetzer in Richtung an uns erprobte Rennmaschinen von Seiten des Elitefrischlings, wurde es uns beiden zu blöde und wir setzten uns zu zweit ab. Das wohlverdiente Schlusslicht überliessen wir unserem hadernden Jungspund. Obwohl ich mich zwischenzeitlich auch von Janina Wüst lösen konnte, schaffte sie in Runde 4 den Anschluss wieder und riss im Anstieg die Lücke auf, welche ich nicht mehr zufahren konnte. Fazit dieser 90 Minuten Gekeuche: irgendwo ist noch eine Handbremse und für den Fall, dass sie jemand finden sollte > bitte lösen!

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Merci!

Der Aufbau und die Vorbereitungen für die nächste Saison sind bereits in vollem Gange. Ich möchte mich von Herzen bei Roger und Madeleine (Schmid Hardware MTB Team), Wolfgang von Au und Renato Galletti (MRI), Alain Diebold (Diebold.Zgraggen Gartenbau), Marco Wieser (Bike Zone Baden) und Stefanie Stücheli (reaktion.ch) für die Unterstützung während des gesamten Jahres. Ohne euch wäre es nicht möglich gewesen diese Lehrzeit zu überstehen. Von Herzen Danke!

Danke für die Saison… Zum Glück ist sie vorbei!

Es ist bereits zwei Wochen her seit dem Showdown im „lieblichen-ab von der Welt-Einbahnstrassen“-Carona (TI). Die Strecke war ein konditioneller Zerstörungstrip gepaart mit unzähligen Trails – kurz gesagt, der helle Wahnsinn. Überraschend wenige Fahrerinnen, die sich zu so später Saisonzeit an der Startlinie zusammenfanden und allgemeines Titelübertrumpfen spielen konnten. Nervös stellte ich mich an der hintersten Position auf und sprintete beim Ertönen des Startsignals los. Kraft und Freude hielten nicht lange und schon nach einer Runde fand ich mich in meinem eigenen Universum des Keuchens und Fluchens wieder. Mit dem Wissen, dass jedes Mal nach dem netten Hügelchen eine unterhaltsame Abfahrt auf mich wartete und dies das letzte Rennen in dieser verkorksten Saison darstellte, schob ich mich Meter für Meter vorwärts… Immer mit einem Lächeln auf den Lippen 😉

Nach diesen vergnüglichen eineinhalb Stunden begann meine Off-Season und in dieser orientiere ich mich gerne an meinem Trainer Schütz: „Das Tal der Tränen ist durchschritten“ sowie an den Worten meines guten Freundes Steff: „Zeit das Bike mit viel Federweg hervor zu nehmen“!

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Dem Lockruf des Laktats verfallen

Bereits zwei Wochen liegt das letzte Argovia Cup Rennen in Giebenach (BL) zurück. Am Start fand sich eine für mich neu zusammengewürfelte Kombination an Fahrerinnen zusammen. Die Zeichen standen auf Grün für ein abwechslungsreiches und komplett offenes Rennen. Im Training einige Tage zuvor liess ich kurzzeitig Marathonambitionen aufflammen und stand demensprechend noch angeschlagen an der Startlinie. Die Sicht des Feldes von hinten motiviert mich seit neuestem ja, daher liess ich mich wie in Hägglingen (AG) gleich zu Beginn ans Ende durchreichen und betrachtete die Trikots meiner Mitstreiterinnen aus der Verfolgerperspektive. Ganz dem Motto folgend: auf altbekanntes zurückgreifen und keine Experimente zum Schluss der Saison.

Nach dem Anstieg begann ich das Tempo konstant zu steigern und arbeitete mich einige Positionen nach vorne während ich gleichzeitig das Gefühl von konstanten, wohligen Laktatwellen in meinem Körper auskostete. Dieses mir bestens bekannte Gefühl versetzte mich zusehends in derart wohlige Sphären, dass ich weiterhin daran festhielt und unmöglich schneller fahren wollte … oder konnte – alles eine Frage der Perspektive. Ich verwaltete meinen erarbeiteten fünften Rang solide, was zwar final betrachtet nicht gerade einem Exploit gleichkam, mich aber auf den zweiten Schlussrang im Gesamtklassement katapultierte. Versöhnlich zu wissen, dass ich selbst in meiner vermeintlich miesesten Saison seit Menschengedenken mit einem erkennbaren Aufbäumen in der Schlussphase das Blatt noch wenden kann. Auf zum Showdown in Lugano.

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Wie die Zeit vergeht

Gerade einmal zu neunt standen wir am Sonntag auf der Startlinie in Hägglingen um uns über sechs Runden zu messen. Mit dem Wissen, dass ich die restlichen Fahrerinnen altersmässig um zehn bis elf Lenze übertrumpfte, liessen nicht gerade das Körpergefühl eines jungen, über die Wiese hüpfenden Rehs, in mir aufkommen. Ich tröstete mich mit dem Gedanken des grossen Erfahrungsvorsprungs, welchen ich sogleich in der Startschlaufe wirken liess. Wie zu erwarten übernahm Nadia Grod das Tempodiktat während ich die Juniorinnen an mir vorbeiziehen liess, mein Tempo fuhr und mich nach kleinen Positionskämpfen an sechster Stelle einreihte. Normalerweise hätte ich zu diesem Zeitpunkt eine kleine Sinnkrise mit der Auswirkung einer Meteoritenkollision gehabt und mich mit der Absetzung per Kamel in die Wüste Gobi beschäftigt. Da diese Chinesische Mauer alias mentale Hemmniss nun aber endgültig weggebaggert wurde, nahm ich nun die vier Fahrerinnen vor mir ins Visier und trat in die Pedale. Mit der Gelassenheit und Erfahrung welche Gandalf dem Grauen Konkurrenz gemacht hätte, war ich nach meinen Beobachtungen ziemlich sicher, dass das angeschlagene Tempo der Juniorinnen nicht über die gesamte Renndistanz so durchgezogen werden konnte. Bereits auf Runde eins holte ich die erste Fahrerin ein, pushte den vermaledeiten Kiesaufstieg hinauf, den Blick auf die vor mir fahrende Dreiergruppe. Ein besonders engagierter und kreativer Unterstützer stand in besagtem Aufstieg, schrie sich die Seele aus dem Leib und dröhnte mit seiner mitgebrachten Motorsäge was das Zeug hielt. Was in der Kreativität leider unterging war, dass wir mit komplett offenen Bronchien diesen Mount Everest würdigen Hügel hochächzten und die Organisatoren von Bikerennen seit Jahren auf elektrische Motorräder als Spitzenfahrzeuge setzen um die Lungen der Athletinnen und Athleten nicht zu verpesten…merkt jemand das Problem? Bewundernswerter Einsatz, danke, mit leichtem Problemfaktor für die Lungenliga.

Nichtsdestotrotz hielt ich mein Tempo konstant hoch, kämpfte (inzwischen stand die Motorsäge zum Glück in der Abfahrt da mir im Sprint um Rang zwei die Lunge beinahe aufs Vorderrad hing) und musste mich am Schluss nur von der souverän fahrenden Nadia geschlagen geben. Ein Hoch auf meinen konstanten Dieselmotor.