Puuuuh….!

Nach einer 5-wöchigen Rennpause ging es mit vielen gesammelten Kilometern in den Beinen vom 2.-4. August für einen 3-tägigen Wettkampf in das österreichische Ischgl um den aktuellen Formstand zu testen.

Die erste von drei Etappe startete am Donnerstag um 21 Uhr und führte bei Flutlicht von Ischgl über 7 Kilometer und 1000 Höhenmeter hoch in die Idalpe. Bereits bei der Startaufstellung konnte ich den Preis zur „Schälle des Tages“ an einen sogenannten Sportfahrer vergeben. Während die Frauen Elite hinter den Elite Männern ihre Startplätze bezogen, wurden hinter uns die Sportfahrer aufgereiht. Nur schon die Anmassung, dass man Hobbyfahrer hinter den Frauen aufreiht schien in seinem Universum ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, versuchte er doch sogleich, sich an den Elitefahrerinnen vorbei zu drängeln um mit seinesgleichen loskeuchen zu können. Ein aufmerksamer Offizieller pfiff den Hochwohlgeborenen sogleich zurück und als dieser erfuhr, dass er nicht nur hinter uns, sondern erst mit „einer Minute Rückstand auf die Weiber??!“ prachtvoll über die Strecke gleiten durfte, vernahm ich für die letzten 2 Minuten vor dem Startsignal nur noch sein Gefluche im Nacken. Meine Empfehlung an dieser Stelle: lös doch einfach eine Lizenz du Flachwasserknallfrosch, hör auf zu heulen und nerv uns nicht! Der herbeigesehnte Startschuss kam und die Spitzenfahrerinnen legten gleich los als gäbe es kein Morgen mehr. Ich hatte immer noch nicht ganz verdaut, dass ich jetzt „nur“ hochfahren sollte ohne jeglichen Abfahrtsmeter und ging das Ganze sehr kontrolliert zuhinterst im Feld an. In der Mittelstation, nach einer unglaublichen Fahrzeit von ca. 20 Minuten gaben bereits diverse Fahrer ihr Nachtessen der Umwelt geräuschvoll zurück. Das nenn ich effiziente Selbstzerstörung. Ich pedalte in meinem Tempo weiter und holte langsam Fahrerin um Fahrerin ein. Zufrieden erreichte ich nach 56 Minuten als 11 Platzierte meiner Kategorie das Ziel, packte mich warm ein und setzte mich in die Gondel für den Rückweg…eine verkehrte Welt, selbst mein Rad war völlig verwirrt ab dem ausbleibenden Downhill.

13 Stunden vor dem Start zum Marathon am Samstagmorgen, fand am Freitag um 19 Uhr das Shortrace über 9 Rennkilometer und 300 Höhenmeter statt. Das einzige technische Highlight, 2 wahnsinns Kieskurven, liessen mein Herz nicht gerade höherschlagen. Die Taktik war klar: irgendwie das Rennen durchbringen ohne wirklich Kraft zu verschiessen so kurz vor dem grössten Brocken. Wieder wurde von Beginn her richtig Tempo gebolzt. Für 200 Meter setzte ich mich in der Spitzengruppe fest…danach war der Spass vorbei und ich konnte/wollte das Tempo nicht mitgehen. Für einen kurzen Moment schloss ich mich mit einer Mitstreiterin zusammen, als diese sich aber in einer der beiden Kieskurven beinahe vor mich hinlegte – Spektakel sei schliesslich alles – hielt ich Sicherheitsabstand. Enttäuscht über diesen 13. Zwischenrang machten wir uns auf zu einem späten Nachtessen um während einer kurzen Nacht wieder Kräfte tanken zu können.

Der abschliessende Marathon hatte es in sich. Auf uns warteten 3700 Höhenmeter verteilt auf 75 Kilometer. Wieder wurde das Rennen schnell angegangen obwohl die Beine nicht mehr so rund liefen. Ich wollte auf den ersten 30 Kilometer ein bedächtiges Tempo angehen, folgten doch danach 2700 Höhenmeter auf lediglich 45 Kilometern, was definitiv nichts mit gemütlicher Kaffefahrt zu tun hat. Auf diesen 30 schnellen Anfangskilometern machte ich wieder einmal die Bekanntschaft mit der Spezies „übermotivierter Einzeller auf 2 Rädern“. Während ich konzentriert und völlig im Frieden mit mir selbst durch die Weltgeschichte dahinschoss (wenn schon einmal eine Abfahrt ansteht), näherte sich von hinten das Chaosschwadron Hintertupfigen. Hier ging es offenbar um den Weltmeistertitel der Ränge 458 und 465. An dieser Stelle eine weitere Bemerkung einer doch eher erfahrenen Rennfahrerin: FRAUEN KÖNNEN SEHR SCHNELL BERGAB FAHREN, INSBESONDERE WENN KEINE SENILEN BARTGEIER IM WEG STEHEN! Nachdem mich 2 dieser Einzeller aufgrund ihrer genialen und vorhersehbaren Kurventechnik beinahe ins Unterholz befördert und aufs herrlichste beschimpft hatten, wie gesagt es ging um den Weltmeistertitel, zogen sie von dannen (Anmerkung der Redaktion: sie beendeten das Rennen nach 28 Kilometern). Weit hinten im Elitefeld nahm ich die zweite Streckenhälfte in Angriff und begann mit dem Einholen meiner Konkurrentinnen. Die erste Steigung nahm kein Ende und machte auch keine Anstalten etwas flacher zu werden. Auf knapp 2700 Meter wurde die Luft langsam dünn, meine roten Blutkörperchen vollführten einen Hula hoop-Wettbewerb und um mich herum verkam das Ganze zu einem Wanderevent. Mein Held des Tages war der „Siebensiech“ welcher die Abkürzung des Jahrhunderts fand. Während wir uns alle an den Wegverlauf einer weitgreifenden Kurve hielten, wählte er den Trampelpfad, welcher mit einer Steigung von geschätzten 35 Prozent gerade hoch führte. Auf dem Weg gebar er wahrscheinlich seinen Darm weil er so in die Pedalen steigen musste um hoch zu kommen, ABER: Abkürzung gesucht – und gefunden! Einer der wandernden Rennfahrer vor mir beschloss kurzfristig einen Anruf zu tätigen. Mein holländisch ist zu schlecht und mein Blut war zu weit von meinem Hirn entfernt um erörtern zu können, ob er seiner Mutter anrief um mentalen Zuspruch zu erhalten oder spontan noch ein Aktientransfer vollführt werden musste.

Nach der ersten Tortur folgte eine anspruchsvolle und unterhaltsame Abfahrt, in welcher sich bereits nach 2 Kilometern mein Bidon verabschiedete, aber wer braucht bei 35 Grad schon Wasser. Mit neuer Verpflegung nahm ich den zweiten grossen Anstieg ab Samnaun her in Angriff. Während über mir dutzende Endurofahrer in den Gondeln den Weg bestritten, wollte ich mich inzwischen nur noch in Fötusstellung auf den Boden legen und meinen schmerzenden Beinen Folge leisten. Umdrehung für Umdrehung kämpfte ich mich auf den höchsten Punkt der Strecke hoch, um nach einer kürzeren Abfahrt nochmals einige Kilometer hochgejagt zu werden. Ich verfluchte zum x-ten Mal die Streckenplaner und mich selbst für diesen Höllenritt und nahm nach einer intensivst, gefühlten Ewigkeit die letzte Abfahrt unter die Räder. Geschont wurden wir auch hier nicht. Nach den technischen Passagen folgten für den grossen Spass zum Abschluss noch 10 Minuten Presslufthammer-Feeling, bevor ich nach 6 Stunden 19 abgekämpft auf dem 8 Schlussrang das Ziel erreichte. Dies entsprach ebenfalls dem 8. Gesamtrang in diesem internationalen Feld und weitere Erfahrungen im Marathonbereich.

Ready to rumble kommenden Sonntag in Grindelwald am Eigerbike Marathon.

 

 

Ach, dann fahren wir nochmals eine Rampe

Weiter geht’s mit Marathon. Für vergangenen Sonntag entschied ich mich gegen die Schweizermeisterschaft im Cross Country und für das Marathonrennen von Fribourg nach Bulle über 80 Kilometer und 2500 Höhenmeter. Die ElitefahrerInnen wurden morgens um 8 Uhr gemeinsam mit allen anderen Kategorien losgelassen und das Massaker ging gleich nach der Startlinie los. Das grosse und nervöse Feld wurde durch die noch schlafende Fribourger Altstadt geführt während die Ruhe einzig durch unkontrolliertes Bremsscheibengequietsche durchbrochen wurde. Es gab unzählige Beinahekollisionen zwischen testosteronüberbordenden Fahrern und Strassenpollern, parkenden Autos, Strassenabsperrungen oder einfach anderen mobilen Weghindernissen. Mit der ersten Rampe kam die wohltuende Beruhigung und das Rennen konnte lanciert werden. In den anfänglichen welligen Abschnitten suchte ich immer wieder Unterschlupf in grösseren Gruppen. Den ersten Trail nahm ich als Dritte meiner Gruppe in Angriff und sorgte dafür, dass ich ausreichend Abstand zum Vormann hatte, da bereits nach 2 Kurven klar war, dass er erstens nach wie vor mit dem Messer zwischen den Zähnen fuhr und er zweitens von seinem Bike gefahren wurde und nicht umgekehrt. Eine scharfe Linkskurve später legte sich der am vermeindlichen Weltmeister-Rennen Teilnehmende ältere Herr elegant in voller Länge quer über den Weg. Wie ein junges Reh sprang er laut fluchend wieder auf, schnappte sich sein Rad (wäre ja eine Schande hinter der ollen Frau weiter zu fahren) und schoss ebenso unkontrolliert wie zuvor, aber merklich vorsichtiger, weiter. Nach überstandenem Wellblech kam der lange Anstieg hoch bis zum Gipfelkreuz des La Berra. Offenbar war es dem Veranstalter extrem wichtig, dass das gesamte Feld dieses Gipfelkreuz bestaunen konnte. Anders kann ich mir unseren Wanderausflug die Wiese hoch nicht erklären, nur um danach 1 Meter weiter links wieder die identische Pasage hinunter zu fahren. Die folgende Abfahrt entschädigte für das Gelatsche, es war ruppig, rutschig und endete mit zahlreichen Steilwandkurven…schlicht eine wahre Freude. Unten angekommen galt es den höchsten Punkt, des über mehrere Rampen zu erreichenden Gibloux zu bewältigen. Während ich am La Berra noch meine Kräfte etwas geschont hatte, knallte ich nun alles auf die Pedale, was ich an Ressourcen freisetzen konnte. Und den unzähligen vergangenen Wochen zum Trotz ging es richtig vorwärts. Ich holte Fahrer um Fahrer ein (von den wenigen Fahrerinnen war leider keine in Reichweite) und wurde mehrfach als Zugpferd von ebendiesen genutzt. Rampe für Rampe wurde erklommen, einige einfacher, andere nur mit zusammengebissenen Zähnen. Wie so oft hatten sich die Streckenplaner die netten Wadenkrampf-Passagen für den Schluss aufgespart. Meine letzten Körner verpulverte ich auf den finalen 3 Kilometer und erreichte zufrieden als insgesamt 7. Fahrerin das Ziel in Bulle. Nun habe ich einen Monat Zeit, um mir klar zu werden, auf welche Disziplin ich für die zweite Saisonhälfte setzen möchte.

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Panierte Lungen und taktisches Hintersinnen

Zeit für eine Zwischenbilanz an den Bike Days in Solothurn, vier Wochen nach der Wiedereinführung von proteinhaltiger Nahrung für meinen Körper. Zur Feier des Tages führte ich auch gleich das Einfahren wieder ein und gab alles in der Rennvorbereitung. Perfekt eingestimmt stand ich im hinteren Teil des stark besetzten Feldes ein, bereit um im allgemeinen Pulk die erste Rampe aus dem Schanzengraben hochzuwandern. Das Tolle an einem Start auf staubigem Untergrund ist, dass man sich nach 5 Metern im Blindmodus fortbewegt und man nicht extra 5 Kilometer fahren muss, um sich die Lunge zuzupflastern, in diesem Fall reichen 50 Meter. Nachdem dieser Punkt also rasch abgehakt war, ging es besagte Rasenrampe hoch, in welcher der grosse Teil des Feldes nach halber Strecke auf Fussmarsch wechselte. Meiner kurzen Sichtung des Feldes zu Folge war ich nicht die einzige, welche am besagten Hügel nicht gerade die ästhetischste Glanzleistung ablieferten. Nebst den Fahrerinnen war wahrscheinlich auch das Publikum froh, als wir uns wieder auf die vertrauten Räder schwangen und elfengleich von dannen schwebten. Die erste Runde war wie üblich ein Positionenkampf begleitet von nervösen Blicken, abruptem, nicht umfeldfreundlichem Bremsverhalten und Ellbogenausfahren in alle Richtungen. Nach dem ersten Gehetze kehrte in der zweiten Runde Ruhe ein und ich fand mich in einer Dreiergruppe wieder. Mein Vorschlag, die langen Asphalt-Rollpassagen gemeinsam zu bestreiten, wurde sogleich durch einen Antritt meiner beiden Mitstreiterinnen in den vorherrschenden Wind geschlagen. Soviel zu dieser Taktik. Es kam nach der Abfahrt dennoch kurzzeitig zu einem Zusammenschluss, bevor sich definitiv jede von uns alleine ihrem persönlichen Rennrhythmus widmete.

In Runde 3 ging es mir langsam an die Substanz. Der freundliche Zuruf eines Zuschauers mit Bierbauch „fast geschafft, der Besenwagen kommt noch nicht“ motivierte mich natürlich ungemein. Wer will das schon nicht hören im Schweisse seines Angesichts, bis zu diesem Zeitpunkt noch beeindruckt von der eigenen Muskelleistung. Unbeirrt fuhr ich mehr oder weniger erhobenen Hauptes, achillesgleich, welcher auf seinem Schlachtross gen Troja zog, weiter meine Runden. Nach über 30 Rennkilometer in den Beinen warf ich mich zum letzten Mal unter den stets tatkräftigen Zurufen meiner angereisten Freunde in den staubigen Hexenkessel des Solothurner Schanzengrabens und überquerte zufrieden die Ziellinie.

Nach diesem Spass an der brütenden Sonne stehen 3 Wochen Aufbauarbeit an, bevor es mit dem Rennen in Gränichen weitergeht. Jetzt darf ich endlich wieder aus der Wohlfühlzone und mir die Zähne an dutzenden Intervallen ausbeissen. Bis dahin, happy trails.

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Selbstfesselung der etwas anderen Art und Westschweizer Leichtigkeit

Nach einer Trainingswoche im Zeichen der langen Ausfahrten hängte ich zum Abschluss das Trainingsrennen Roc du Littoral in Hauterive (NE) an. In Begleitung von Carmen Bucher packten wir am Sonntagmorgen unsere Bikes neben 200 anderen Rädern in den Zug und fuhren gemütlich gen Romandie. Ohne Ortskenntnisse machten wir uns auf die Suche nach dem Centre Sportif und wurden fündig. Etwas komisch fanden wir, dass ausschliesslich Fussballer auf dem Rasen ein Match austrugen unter den Augen der lokalen Zuschauer. Nachdem wir nicht einmal ein Einrad ausmachen konnten, waren wir doch ziemlich sicher 45 Minuten vor dem Start am falschen Ort zu stehen. Nach kurzer Recherche fanden wir ein weiteres Sportzentrum, von denen kann es ja nie genug geben. Lediglich 2 Kilometer entfernt, abgelegen mitten in den Weinreben. Wir versuchten erneut unser Glück. 30 Minuten vor dem Startschuss fanden wir tatsächlich eine beträchtliche Horde Menschen auf 2 Rädern und fühlten uns gleich wieder heimischer.

Das Einfahren liessen wir gleich sein. Die Sportzentrumssuche und die ersten 3 Rennkilometer mussten hierfür hinhalten, die Toilettenpause und der soziale Austausch waren gerade wichtiger. Während Carmen auf der Startlinie zur Musik aus dem Lautsprecher aus vollem Hals „You’re the one I want“ aus dem Musical Grease mit passender Tanzeinlage im Raddress vollführte, kam in mir nicht gerade der Killermodus auf. Der Start war wie gewohnt schnell und hektisch, geprägt vom Positionenkampf mit dem Messer zwischen den Zähnen. Ich liess mich etwas zurück fallen da mein Körper nach wie vor noch nicht so begeistert ist von den hohen Pulsbereichen. Carmen passierte mich mit einem „nervöse Sache hier“ und ich verlor die Spitzengruppe aus den Augen. Einsam strampelte ich die Kilometer auf dieser wunderbaren 24 Kilometer langen Trailrunde des Neuenburger Juras ab, immer gespannt, was nach der nächsten Kurve für eine Überraschung wartete. In einer der unzähligen Rampen krampfte ich mich demütig über den Lenker gebeugt hoch, den Blick nur kurz hebend um zu sehen, wo es danach weiter ging. 3 Leute standen am obersten Punkt und feuerten mich an als ich energisch rechts abbog. Das Stoppen des Klatschens war der erste Hinweis, dass etwas nicht stimmte. Die verwirrten Blicke der Zuschauer der zweite – das hell leuchtende weiss-rote Absperrband, welches sich um mein Gesicht wickelte schliesslich die Auflösung ihres abrupt endenden Szeneapplauses. Vielleicht war es doch eher eine Linkskurve. Völlig Herrin der Situation entwickelte ich mich aus dieser kaum noch auffälliger anzubringenden Wegweisung und war dankbar, dass mich einer der netten Spektakelsuchenden anschob, da ich vor lauter Lachen kaum mehr in die Pedale kam.

Nach dieser brenzligen Situation stand den weiteren Rennkilometern nichts mehr im Weg. Nach knapp 80 Minuten konnte ich im Ziel meinen Achten Rang an der Sonne gemeinsam mit Carmen und einer riesigen Portion Risotto geniessen. Mit einem guten Gefühl und um wertvolle Eindrücke reicher, traten wir unsere Heimfahrt per Zug, mit einem Glacé in den Händen, an. Für das nächste Rennen kommenden Samstag in Solothurn bin ich bereit…dann wieder mit Einfahren und geografischer Sicherheit.

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Trainingsrennen auf französisch und Eröffnung der Bikesaison

Bei zehennägelabfrierenden 0 Grad Celsius fand am 18. März das erste Trainingsrennen für mich in Marin-Epagnier (NE) auf der Strasse über 80 Kilometer statt. Während ich mich in mehrere Schichten Winterkleidung hüllte, versprühten einige unerschrockene, junge Wilde aus dem Wallis in kurzen Hosen und absolut nichtisolierenden Sommerhandschuhen französisches Südküstenfeeling. Ich versteckte mich in einer Gruppe und spulte meine Trainingskilometer unspektakulär ab um erstmals etwas Rennluft zu schnuppern und meinen Muskeln nach wochenlanger Abwesenheit wieder Freund Laktat vor Augen zu führen.

Vergangenen Sonntag folgte dann das erste Bikerennen im solothurnischen Lostorf unter anderem mit Weltcupbesetzung im Fahrerinnenfeld. Während die Profis in der ersten Reihe gerade aus Südafrika zurückgekehrt waren, lockerte ich das von braungebrannter Haut dominierte Fahrerinnenfeld durch meine wieder aufgetauten, weissen Stahlwaden auf. Im ersten langen Anstieg nach dem Start wurde bereits ordentlich aufs Tempo gedrückt. Als Folge davon wurde das Feld auseinandergerissen und mir blieb der Kampf mit zwei anderen Fahrerinnen um den Anschluss. Nach mehreren Positionswechseln innerhalb unserer Dreiergruppe und einem semantischen Aussetzer in Richtung an uns erprobte Rennmaschinen von Seiten des Elitefrischlings, wurde es uns beiden zu blöde und wir setzten uns zu zweit ab. Das wohlverdiente Schlusslicht überliessen wir unserem hadernden Jungspund. Obwohl ich mich zwischenzeitlich auch von Janina Wüst lösen konnte, schaffte sie in Runde 4 den Anschluss wieder und riss im Anstieg die Lücke auf, welche ich nicht mehr zufahren konnte. Fazit dieser 90 Minuten Gekeuche: irgendwo ist noch eine Handbremse und für den Fall, dass sie jemand finden sollte > bitte lösen!

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Danke für die Saison… Zum Glück ist sie vorbei!

Es ist bereits zwei Wochen her seit dem Showdown im „lieblichen-ab von der Welt-Einbahnstrassen“-Carona (TI). Die Strecke war ein konditioneller Zerstörungstrip gepaart mit unzähligen Trails – kurz gesagt, der helle Wahnsinn. Überraschend wenige Fahrerinnen, die sich zu so später Saisonzeit an der Startlinie zusammenfanden und allgemeines Titelübertrumpfen spielen konnten. Nervös stellte ich mich an der hintersten Position auf und sprintete beim Ertönen des Startsignals los. Kraft und Freude hielten nicht lange und schon nach einer Runde fand ich mich in meinem eigenen Universum des Keuchens und Fluchens wieder. Mit dem Wissen, dass jedes Mal nach dem netten Hügelchen eine unterhaltsame Abfahrt auf mich wartete und dies das letzte Rennen in dieser verkorksten Saison darstellte, schob ich mich Meter für Meter vorwärts… Immer mit einem Lächeln auf den Lippen 😉

Nach diesen vergnüglichen eineinhalb Stunden begann meine Off-Season und in dieser orientiere ich mich gerne an meinem Trainer Schütz: „Das Tal der Tränen ist durchschritten“ sowie an den Worten meines guten Freundes Steff: „Zeit das Bike mit viel Federweg hervor zu nehmen“!

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Dem Lockruf des Laktats verfallen

Bereits zwei Wochen liegt das letzte Argovia Cup Rennen in Giebenach (BL) zurück. Am Start fand sich eine für mich neu zusammengewürfelte Kombination an Fahrerinnen zusammen. Die Zeichen standen auf Grün für ein abwechslungsreiches und komplett offenes Rennen. Im Training einige Tage zuvor liess ich kurzzeitig Marathonambitionen aufflammen und stand demensprechend noch angeschlagen an der Startlinie. Die Sicht des Feldes von hinten motiviert mich seit neuestem ja, daher liess ich mich wie in Hägglingen (AG) gleich zu Beginn ans Ende durchreichen und betrachtete die Trikots meiner Mitstreiterinnen aus der Verfolgerperspektive. Ganz dem Motto folgend: auf altbekanntes zurückgreifen und keine Experimente zum Schluss der Saison.

Nach dem Anstieg begann ich das Tempo konstant zu steigern und arbeitete mich einige Positionen nach vorne während ich gleichzeitig das Gefühl von konstanten, wohligen Laktatwellen in meinem Körper auskostete. Dieses mir bestens bekannte Gefühl versetzte mich zusehends in derart wohlige Sphären, dass ich weiterhin daran festhielt und unmöglich schneller fahren wollte … oder konnte – alles eine Frage der Perspektive. Ich verwaltete meinen erarbeiteten fünften Rang solide, was zwar final betrachtet nicht gerade einem Exploit gleichkam, mich aber auf den zweiten Schlussrang im Gesamtklassement katapultierte. Versöhnlich zu wissen, dass ich selbst in meiner vermeintlich miesesten Saison seit Menschengedenken mit einem erkennbaren Aufbäumen in der Schlussphase das Blatt noch wenden kann. Auf zum Showdown in Lugano.

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„Ohoh, uiuiui, Achtung, jesses, wuääääähhh, autsch!“

Letzte Woche kam es zu einer Premiere. Ich stand erstmals am Start eines Endurorennens. Zur Erklärung: Während eines Endurowettkampfes werden mehrere Abfahrten (Stages) so schnell wie möglich absolviert. Die Zeit der Stages wird zusammengezählt und bildet die klassierungsrelevante Schlusszeit. Zwischen den Stages können nicht die Füsse hochgelagert werden, sondern es muss in einer vorgegebenen Zeit der Transfer von Trail A zu B und so weiter bewältigt werden. Die logische Vorgehensweise wäre an dieser Stelle eine Anmeldung für einen kleinen, regionalen und überschaubaren Wettkampf. Aber nein, nicht so bei mir. Da bekanntlich „normal“ langweilig ist, die Logik mich gerade kreuzweise kann und ich schon lange an einem Enduro World Series (EWS) Rennen dabei sein wollte, legte ich mir eine andere Strategie zurecht. Die drei Faktoren führten mich dementsprechend vergangen Dienstag nach Südfrankreich, genauer gesagt nach Millau. Offenbar hatte das Klima vergessen, dass gemeinhin Südfrankreich mit warmen, trockenen Bedingungen verbunden wird. Es regnete beinahe konstant und das Thermometer stieg auf kuschelige 13 Grad…danke dafür erstmal! Während zwei Tagen durften die insgesamt neun Stages je einmal abgefahren werden um sich seelisch und körperlich auf jegliche Passagen vorzubereiten, welche einem den nächsten Platz in einem Krankenwagen sichern sollten. Nach gefühlten 50 Stürzen und einem Platten am ersten Trainingstag, war ich voller Zuversicht, dass ich eine heisse Anwärterin auf eine dieser Plätze sein werde.

Nach überstandenem zweitem Trainingstag rollte ich freitags an die Startlinie für Wettkampftag eins von zwei, an welchem wir mit Stage eins bis fünf das Vergnügen haben sollten. Im 20 Sekunden Rhythmus sprinteten die Fahrerinnen in den ersten Trail und die grosse Rutschpartie konnte beginnen. Ich verabschiedete mich gleich fünf Mal ins Unterholz und legte den Grundstein für die konstante Farbangleichung meines Trikots und dem Rad an ein dezentes hängebauchschweiniges braun-schwarz.

Gefolgt auf diese Achterbahnfahrt folgte der erste Transfer, welcher mit einem „kleinen“ Fussmarsch begann. Zu Beginn des sehr engen, steinigen und steilen Weges dachte ich noch „Mann, das wäre jetzt auch cooler zum runterfahren“. Nach ungefähr weiteren 20 Trage-Schieb-Krampfminuten befand ich „naja, das wäre etwas krass zum runterfahren, dann doch lieber hoch“. Bevor mich nach weiteren 15 Minuten die Erkenntnis traf „ok, wir müssen da runterfahren. Über diese Steinplatte bin ich doch gestern kopfüber geflogen vs. wir latschen tatsächlich Stage vier hoch. Seid ihr denn völlig bekloppt??!“. Bevor ich mich neuerlich der Steinplatte von Stage vier widmen durfte (über welche ich auch im späteren Rennverlauf kopfüber stürzen sollte, diese Variante hatte ich schliesslich bereits im Training einstudiert), kamen die Abfahrten zwei und drei noch zum Zug. Ich hielt meinen Schnitt von ungefähr fünf Abflügen pro Stage, allerdings nur weil Stage zwei echt ein Spass war bevor es das fröhliche Geröllfeld von Nummer drei runterging und ich mich dabei um jeden vierten Baum wickelte. Die Stages vier und fünf glichen sich in etwa was meine Sturzzahl betraf. Auch war ich wieder um den ähnlichen Platz wie vor der Nummer drei und sammelte weiter fleissig blaue Flecken und Schürfwunden. Dies alles war aber vernachlässigbar bei all den genialen Trailmomenten, den äusserst sympathischen Leuten und meiner erstaunlich guten körperlichen Verfassung (ich war inzwischen rekordverdächtig schnell, beinahe unverletzt aus dem Unterholz wieder auf meinem Rad und dementsprechend gar nicht so schlecht positioniert….was wäre da bloss möglich wenn ich tatsächlich nur auf und nicht teilweise unter meinem Rad die Etappen bewältigte). Sechseinhalbstunden später im Ziel, war ich ziemlich stolz und stellte mich sogleich mit meiner gesamten Ausrüstung unter die Hoteldusche, bis man wieder Kleidung von Mensch unterscheiden konnte. Der Morgen von Wettkampftag zwei brachte Müdigkeit, Muskelkater, Vorfreude, zahlreiche Aufgaben anderer Fahrerinnen und natürlich Regen mit sich. Südfrankreich, höhö (…). Tag zwei bestand aus vier Stages, welche mir um einiges besser lagen als am Vortag. Die erste Abfahrt bewältigte ich dementsprechend gut. Einziger Wehrmutstropfen war die Bekanntschaft zwischen meiner Hand und einem Baum, welche keinen Sturz dafür aber als Wegzoll einen Teil meiner Haut forderte, sowie eine nette Prellung mit tollem Farbspektrum mit sich brachte. Unbeirrt setzte ich meinen Weg fort. Weiterhin mit gelegentlichen Boden-têtes-à-têtes und zahllosen Adrenalinschüben.

Tag zwei ging so schnell rum wie Tag eins und obwohl ich in der zweitletzten Kurve aufgrund des Schlammes ohne Rad über den Asphalt rutschte, meine Hosen dabei zerriss und mich sobald ich zum Stillstand kam mit einem Hechtsprung vor der ebenfalls gestürzten und über den Teer heranrutschenden Verfolgerin rettete, beendete ich das Weltcuprennen in einem Stück auf dem 23. Schlussrang. Mission erfüllt!

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„Céline, i glaub du hesch en Platte…“

Nach der letztjährigen Schlammschlacht glich das Rennen in Gränichen am Sonntag wieder einer Fahrt durch einen Vulkankrater. Während sich alle vernünftigen Menschen in den Schatten zurückgezogen hatten, stellte sich das stark besetzte Elite Frauenfeld zur Mittagszeit an der Startlinie auf. Da ich Windschatten zu schätzen weiss, wurde ich beim Call-up ein weiteres Mal zuhinterst im Feld aufgereiht. Mit dem Startschuss begann die Sprinterklimmung des langen Startanstieges, welcher jeweils für die erste Selektion sorgte. Dieser Anstieg wurde mir bisher jedes Jahr zum ersten Verhängnis, da ich das Tempo nicht mitgehen konnte und dann im Pulk der Fahrerinnen in der Abfahrt stecken blieb. Nun war es Zeit für etwas Neues, obwohl die Taktik die Selbe blieb. Für einmal mit deutlich mehr Erfolg. Ich ging am Start aus dem Sattel, manövrierte mich auf die rechte Flanke des Feldes und fuhr immer weiter nach vorne, auch ohne Windschatten. Vor dem Einstieg in den ersten Trail fand ein allgemeines Ellbogenausfahren statt, in welchem ich auch fröhlich mitmischen durfte und mich an ungarischen, schwedischen und anderen Trikotfarben mehr oder weniger sanft durchschlängelte hinein in die erste Abfahrt. Nach der Waldpassage tauchte man per Sprung in die Bruthitze der ersten Kiesgrube ein. Für den Sprung nahm ich ordentlich Tempo mit, da die Fahrerin vor mir bereits in der Hälfte der zu absolvierenden Flugstrecke offenbar Sehnsucht nach dem Boden verspürte und unsanft vor dem offiziellen Landehügel auf den Grund knallte. Als ich mich in „i believe i can fly“-Manier in der Luft befand, sah ich auch den Grund dafür. Nach der Landung begann ein kleiner Stau und da in der Luft bremsen doch eher problematisch ist, landete ich zwar sauber aber aufgrund des hohen Tempos hart auf dem Boden der Tatsachen und stieg in die Bremse um nicht andere Fahrerinnen inklusive mir selbst abzuräumen. Das Knallen des hinteren Reifes ignorierte ich gleich wieder, als ich merkte, dass offenbar alles noch ohne Probleme rollte. Weiterhin in den Top 20 und mit guten Beinen ging es in den nächsten Aufstieg bevor der Rundkurs per Trail das erste Mal auf das Festgelände zurückführte. In besagtem Trail meinte Ramona Forchini hinter mir „Céline, i glaub du hesch en Platte“! Das schwammige Gefühl im Hinterrad liess sich nun auch nicht mehr wirklich ignorieren und ich rollte innerlich fluchend in die Techzone zu. Der Wechsel dauerte für meine Verhältnisse zu lange und ich startete aus leider zu gut bekannter Position am Schluss des Feldes wieder auf die Strecke. In der Folge begann ich mit Kollege Schicksal enerviert zu hadern und diskutieren: „Das kann jetzt nicht dein Ernst sein nach diesem Traumstart und drei Jahren Defektabstinenz!!“. Eine Antwort bekam ich leider nicht, was mich noch mehr zum rauchen brachte bei den sowieso schon glühenden Temperaturen und jegliche Leistungsabgabe unterband. Trainingsbedingt fuhr ich weiter, auch weil die technischen Passagen eine wahre Freude waren.

Die Startphase des Rennens hat mir gezeigt, dass ich wirklich schnell Radfahren kann, meinen Fahrstil jedoch noch etwas an das neue Tempo anpassen muss. Die Freude darüber ist riesig und ich hoffe ich habe meinen Defekt nun wieder für die nächsten drei Jahre eingezogen. Einmal ist keinmal, daher versuche ich diesen Start in Lostorf diesen Sonntag zu wiederholen und dieses Mal auch durchzuziehen.

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„Hopp Jungs!“

Nach dem Proffix- startete vergangen Sonntag auch der Argovia Cup mit der ersten Rennveranstaltung in Hochdorf. Mit perfekt sitzenden neongrünen Socken stand ich mit mehr Fahrerinnen als erwartet und Puls 200 an der Startlinie. Wie bereits in Solothurn zeichnete sich die Streckenführung durch lange Flachpassagen aus und verhinderte bereits im Vorfeld jegliche Einzelaktionen. Das Spitzentrio liess ich nach einer halben Runde ziehen, im Wissen, dass ich ansonsten bei Rennhälfte nur noch als Dekoration der Rennstrecke gedient hätte. Um Kräfte zu sparen, ging ich etwas vom Gas und liess die hinter mir fahrende Fiona Eichenberger aufschliessen. Mit vereinten Kräften zogen wir unbehelligt unsere Runden. Effizient aber unspektakulär. Fröhliche Anfeuerungsrufe wie „Los Fiiiioooooonaahhhaaa“ und „Hopp Jungs“ begleiteten uns auf den Runden. Für die grösste Aufregung sorgte ein alter Herr, der wahrscheinlich wie jeden Tag seine angestammte Runde mit dem Elektrorad unter die Räder nahm. Unbeirrt davon, dass an diesem Tag ein paar Rennfahrer mit schmerzverzerrten Gesichtern an ihm vorbeischossen und ihn beinahe mit ihren Carbonmaschinen aufluden. Schliesslich fährt Man(n) diese Strecke seit 1940!

In der letzten von fünf Runden startete ich in der Steigung aus dem Windschatten von Fiona heraus einen Angriff, konnte eine Lücke aufreissen und verwaltete meinen Vorsprung bis ins Ziel. Meine Mühen wurden mit dem vierten Rang und einem guten Gefühl belohnt. Für die nächsten Rennen heisst es also „weiter so Jungs!“.

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